Manchmal fährt man ziemlich weit, um am Ende vor allem eines zu tun: weniger. Weniger Kilometer. Weniger Termine. Weniger von diesem „Das müssen wir heute aber unbedingt noch anschauen“. Dafür morgens aufstehen und noch nicht genau wissen, ob man nach dem Frühstück zum Strand geht, noch einen Kaffee trinkt oder einfach sitzen bleibt.
Genau dafür waren unsere zehn Tage im Riva di Ugento Beach Camping Resort im Süden Apuliens ziemlich gut geeignet.


Wir waren Mitte bis Ende September 2026 dort. Also nicht mehr mitten in der italienischen Hochsaison, sondern bereits in dieser angenehmen Zeit, in der vieles ein bisschen langsamer wird.
Und wir hatten uns ausgerechnet ein besonderes Jahr dafür ausgesucht: Riva di Ugento feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. 1976 begann hier die Geschichte des Campingplatzes, und das Jubiläum steht unter dem Motto „50 Sommer mit dir“.
Für zehn Tage gehörten wir nun also auch ein kleines bisschen zu dieser Geschichte. Weitere Infos: 50 Jahre Riva di Ugento – die Geschichte des Campingplatzes.
Ein Campingplatz, der Zeit hatte zu wachsen
Riva di Ugento ist kein Campingplatz, bei dem gestern noch Acker war und heute drei Reihen frisch gepflanzte Bäumchen Schatten simulieren sollen. Fünfzig Jahre hinterlassen ihre Spuren – im positiven Sinne.
Der Platz liegt eingebettet in die Vegetation des Küstengebietes von Ugento. Der Campingplatz liegt im Naturpark an der Küste von Ugento und besteht seit 1976. Bei uns sollte es für zehn Tage ein Extra-Stellplatz sein. Und der war für Lilibet und uns genau richtig.
Unsere direkten Nachbarn aus Bayern hatten die noch größere Maxi-Kategorie. Alles wunderbar ordentlich. Zumindest so lange, bis man den Strom einsteckt.
Unser erster Kontakt mit Bayern begann am Stromkasten
Campingnachbarn kann man auf verschiedene Arten kennenlernen. Man kann freundlich „Guten Morgen“ sagen. Man kann fragen, woher die anderen kommen. Oder man beginnt gleich mit einer kleinen Diskussion darüber, wem eigentlich welcher Stromanschluss gehört.
Bei uns wurde es die dritte Variante.

Dabei war die Sache von Anfang an vollkommen klar. Die Stellplatznummern standen direkt unter den Steckdosen. Wir wussten also genau, dass der oben auf dem Foto rot markierte Anschluss nicht zu unserem Extra-Stellplatz gehörte.
Nur hatte die Angelegenheit einen kleinen Haken: Er war der einzige freie. Unser richtiger Anschluss war bereits belegt. Offenbar hatten die Vormieter unserer bayerischen Nachbarn unseren Anschluss benutzt und damit die Zuordnung etwas verschoben.
Also steckten wir ganz bewusst in den falschen Anschluss ein.
Was unsere bayerischen Nachbarn zunächst ein wenig nervös machte. Sie hatten nämlich irgendwo gelesen, dass Strom mit einem Euro pro Kilowattstunde abgerechnet werde. Und wenn man davon ausgeht, wird es natürlich plötzlich ziemlich interessant, wessen Kühlschrank, Kaffeemaschine und Ladegeräte gerade über welchen Anschluss laufen.
Nur stellte sich heraus: Der Strom war bei unserem Stellplatz inklusive. Und damit schrumpfte das große süditalienische Stromproblem ziemlich schnell auf das Format zusammen, das ihm eigentlich zustand. Es war schlicht egal.
Aber etwas Gutes hatte die ganze Geschichte: Wir waren sofort mit den Bayern im Gespräch.
Der große Bayer mit dem trockenen Humor
Und dabei blieb es nicht. Aus dem ersten Gespräch am Stromkasten entwickelten sich während unserer Tage immer wieder längere Unterhaltungen. Unser Nachbar war ein großer, ausgesprochen netter Bayer mit diesem herrlich trockenen Humor, bei dem man manchmal einen Moment braucht, bis man merkt, dass gerade ein ziemlich guter Satz gefallen ist.
Dabei hatte er eine alles andere als leichte Geschichte hinter sich. Er erzählte uns, dass er früher im Motocross aktiv und Teil der deutschen Motocross-Mannschaft gewesen sei. Bei einem schweren Unfall in Italien hatte er sich so schwer verletzt, dass zeitweise sogar die Frage im Raum stand, ob sein Bein erhalten werden könne. Auch das Knie und eine mögliche weitere Versorgung waren ein großes Thema.
Ein harter Schicksalsschlag. Und trotzdem war er keiner, der daraus bei jeder Gelegenheit eine große Geschichte machte. Ganz im Gegenteil. Trocken, freundlich, ruhig – und jemand, mit dem man sich sehr gut über Gott und die Campingwelt unterhalten konnte.
Von Griechenland, Wohnmobilen und der 85-km/h-Taktik
Wir redeten über Campingplätze in Griechenland, über Reisen und natürlich irgendwann über ein Thema, das bei zwei Wohnmobilfahrern praktisch zwangsläufig auftaucht: Wie viel braucht deiner eigentlich?
Unsere Lilibet ist da erfreulich genügsam. Unsere Autobahntaktik ist nicht besonders spektakulär. Wenn es sich ergibt, suchen wir uns einen Lkw, der mit ungefähr 85 km/h gleichmäßig unterwegs ist, bleiben mit vernünftigem Abstand dahinter und lassen Lilibet ganz entspannt rollen.
Keine Jagd nach einer neuen persönlichen Bestzeit. Dafür schaffen wir es über längere Strecken immer wieder, unter zehn Litern zu bleiben. Unter günstigen Bedingungen landen wir auch bei ungefähr 8,5 Litern auf 100 Kilometer.
Der Bayer hatte ein deutlich größeres Wohnmobil. Bei unseren Verbrauchswerten konnte er entsprechend nur trocken grinsen. Für ihn waren 12 bis 14 Liter schon ein Ergebnis, mit dem er sehr zufrieden war.
Und genau so liefen viele unserer Gespräche ab. Mal Griechenland, mal Dieselverbrauch, mal Campingplätze, mal irgendein anderes Thema.
AWAY 2000 und die Nachbarn aus Solingen
Und die Bayern waren nicht die einzigen netten Menschen rund um unseren Stellplatz. Gegenüber stand ein Paar aus Ahrweiler mit einem Kennzeichen, bei dem wir zweimal hinschauen mussten: AW AY 2000.
Zusammengelesen also praktisch: AWAY 2000. Wenn man viel mit dem Wohnmobil unterwegs ist, kann man sich ein passenderes Kennzeichen kaum wünschen. Neben den Bayern stand noch ein Paar aus Solingen, ebenfalls ausgesprochen nett.
Und so entstand rund um unsere Stellplätze diese Art von Nachbarschaft, die wir beim Camping besonders mögen. Man grüßte sich. Man unterhielt sich. Man blieb mal länger stehen. Und danach ging jeder wieder auf seinen Platz.
Ein Brett, ein Wasserkanister und manchmal braucht es nicht mehr
Diese unkomplizierte Hilfsbereitschaft zeigte sich auch an ganz kleinen Dingen. Zum Beispiel beim Frischwasser.
Knut, unser Nachbar aus Ahrweiler, hatte den gleichen Wasserkanister wie wir. Und damit auch das gleiche Problem: Damit das Wasser aus dem Hahn in den Kanister lief, musste man ihn die ganze Zeit hochhalten. Bis er voll war, dauerte es mehrere Minuten. Das ging ordentlich in die Arme – zumal der Kanister mit jedem Liter schwerer wurde.
Die Lösung war ein Brett, das Knut uns zur Verfügung stellte.

Kanister aufs Brett, und schon stand er auf der richtigen Höhe unter dem Hahn. Endlich mussten wir ihn nicht mehr minutenlang hochhalten. Ein einfaches Stück Holz, das uns beim Wasserholen eine ganze Menge Anstrengung ersparte. Genau solche unkomplizierten Hilfen bleiben vom Campingalltag in Erinnerung.
Ver- und Entsorgung mit Lilibet
Bei zehn Tagen auf einem Platz gehört natürlich auch der Teil des Wohnmobilurlaubs dazu, der auf Instagram eher selten die meisten Herzchen bekommt. Frischwasser hinein. Grauwasser heraus.







Es sind vermutlich nicht die romantischsten sieben Fotos unseres Apulienurlaubs. Aber wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, weiß: Spätestens am dritten oder vierten Tag wird die Entsorgungsstation erheblich interessanter als der schönste Prospektständer an der Rezeption.
Nachsaison – Riva wurde langsam leiser
Wir waren Mitte bis Ende September dort. Die große Sommermaschine begann also bereits herunterzufahren. Und ehrlich gesagt gefiel uns das. Der Pool war zu diesem Zeitpunkt schon geschlossen. Gestört hat uns das ungefähr gar nicht. Denn nur ein paar Schritte weiter wartete ein Pool, dessen Rand ein bisschen weiter entfernt war: das Meer.
Nach unserer Erinnerung hatte das Wasser noch ungefähr 27 Grad. Und wenn draußen das Meer warm, klar und türkisfarben vor einem liegt, entwickelt man erstaunlich wenig Sehnsucht nach einem Swimmingpool.
Unser kleiner Supermarkt-Alltag
Der Supermarkt auf dem Campingplatz war noch geöffnet. Und dort haben wir tatsächlich eingekauft. Das Angebot an frischem Obst und Gemüse fanden wir richtig gut. Dazu gab es frischen Käse, Brot und Brötchen und natürlich die Dinge, die man während eines längeren Aufenthalts irgendwann noch braucht.
Bei Brot und Brötchen waren wir allerdings schlechte Kunden. Wir haben meistens Aufbackware dabei und machen uns unsere Brötchen morgens selbst in Lilibet. Dafür gab es einen anderen regelmäßigen Einkauf: Mineralwasser frizzante.
Schön kalt, schön sprudelig. Irgendwann gehören solche Kleinigkeiten dann genauso zum Urlaub wie das Meer vor der Tür.
Einmal Pizza bei Artas
Auch selbst kochen muss man nicht jeden Abend. Einmal gingen wir deshalb im Artas RistoPizza auf dem Campingplatz essen. Und da muss man gar nicht lange drum herumreden: Die Pizza war super.
Nicht „für einen Campingplatz ganz gut“. Einfach richtig gut.
Außerhalb war die Saison schon weiter vorbei
An einer anderen Stelle merkte man deutlicher, dass wir schon spät im Jahr unterwegs waren. Ein Geschäft außerhalb des Campingplatzgeländes hatte bereits geschlossen. Nach unserer Erinnerung war dort am 13. September Saisonende.
Wie der Laden hieß, wissen wir heute nicht mehr sicher. Und bevor wir ihm jetzt irgendeinen Namen verpassen, den er nie hatte, bleibt er in diesem Bericht einfach das, was er für uns zu diesem Zeitpunkt war: der Laden draußen, der schon zu hatte.
Und dann ist da dieses Meer
Letztlich war der eigentliche Hauptdarsteller unserer zehn Tage ohnehin nicht der Supermarkt, nicht der Stromkasten und auch nicht das Brett unter dem Wasserkanister. Es war das Meer.


Breiter heller Sandstrand. Klares Wasser. Und Farben, bei denen man bei einem Reiseprospekt vermutlich erst einmal unterstellen würde, dass jemand bei Photoshop ein bisschen übertrieben hat.
Hat hier aber niemand. Das sah tatsächlich so aus.

Jeder Tag sah ein bisschen anders aus
Das Schöne war, dass der Strand trotzdem nie wirklich gleich aussah. An einem Tag strahlte alles in Türkis und Blau. Am nächsten standen plötzlich schwere Wolken über der Küste.


Vielleicht wird ein längerer Aufenthalt an einem Ort gerade deshalb nicht langweilig. Man muss nicht immer den Ort wechseln. Manchmal reicht es, wenn sich das Licht ändert.
Die Abende waren fast noch schöner
Und dann kamen die Abende. Wenn die Sonne tiefer stand und der Himmel langsam orange wurde, veränderte sich die Stimmung wieder vollständig.



Das sind diese Momente, in denen man eigentlich nichts mehr vorhat. Und plötzlich merkt, dass genau das ziemlich angenehm ist.
Wenn Riva nachts still wurde
Nach Sonnenuntergang wurde auch der Campingplatz noch einmal anders. Die Wege lagen still zwischen Bäumen und Stellplätzen, einzelne Laternen sorgten für Licht – und darüber der Nachthimmel.




Das sind keine Urlaubserlebnisse, bei denen man anschließend erzählen kann, welche Eintrittskarte man gekauft oder welches berühmte Bauwerk man besichtigt hat. Aber es sind häufig genau die Bilder, die Jahre später noch im Kopf sind.
Zehn Tage – und eigentlich gar nicht viel passiert
Wenn man unsere zehn Tage in Riva di Ugento aufzählt, klingt das vielleicht gar nicht besonders spektakulär. Wir hatten einen Extra-Stellplatz. Neben uns standen Bayern. Gegenüber AW AY 2000. Ein paar Plätze weiter nette Menschen aus Solingen.
Wir haben am Stromkasten diskutiert. Wir haben Wasser geholt. Ein Brett unter einen Kanister gestellt. Grauwasser entsorgt. Frizzante gekauft. Pizza gegessen. Über Griechenland gesprochen. Über Motocross. Über große und kleine Wohnmobile. Über 8,5 Liter und 14 Liter Diesel.
Wir saßen am Strand. Wir gingen schwimmen. Wir sahen Sonnenuntergänge. Und abends den Mond. Eigentlich nichts Weltbewegendes. Und vielleicht war genau das der Punkt.
Unser Fazit nach zehn Tagen Riva di Ugento
Riva di Ugento war für uns nicht einfach nur ein Platz, auf dem Lilibet zehn Tage gestanden hat. Der Campingplatz war Teil des Urlaubs. Das lag natürlich am Strand und an diesem unglaublich klaren Meer. Es lag an der Ruhe der Nachsaison. Aber mindestens genauso lag es an diesen zufälligen Begegnungen.
An dem trockenen Humor des bayerischen Nachbarn. An Gesprächen, die am Stromkasten anfingen und irgendwann bei griechischen Campingplätzen und Dieselverbrauch endeten. Am Paar aus Ahrweiler. An AWAY 2000. An den netten Nachbarn aus Solingen.
Und an der angenehmen Erkenntnis, dass man sich auf einem Campingplatz nah sein kann, ohne sich gegenseitig auf die Pelle zu rücken. 2026 feiert Riva di Ugento 50 Sommer. Wir waren davon gerade einmal zehn Tage dabei. Aber das hat gereicht, damit ein paar Geschichten hängenbleiben.
Und vielleicht ist genau das ein guter Campingurlaub: Man fährt los, weil man Meer und Sonne möchte. Und kommt mit Erinnerungen an einen Stromkasten, einen großen Bayern, ein Stück Holz und ein Kennzeichen namens AWAY 2000 zurück.
Und das Meer? Das nehmen wir natürlich auch. Zumindest auf den Fotos.
Zehn Tage Riva – unser Song zum Aufenthalt
Zu unseren zehn Tagen in Riva di Ugento gibt es auch einen Song. Hier könnt ihr „Zehn Tage Riva“ hören – als musikalische Begleitung zu unserem Reisebericht und den Bildern vom Meer.
Weitere Songs von unterwegs findet ihr auf Lembus Music.
Unsere praktischen Hinweise für Riva di Ugento
- Unser Aufenthalt: zehn Tage Mitte bis Ende September 2026 mit Lilibet auf einem Extra-Stellplatz.
- Strom: Bei unserem Aufenthalt war er inklusive. Die genannten 1 Euro pro Kilowattstunde waren eine Befürchtung unserer Nachbarn, kein von uns bestätigter Tarif. Für die eigene Buchung gelten die jeweiligen Konditionen.
- Nachsaison: Der Pool war bei unserem Besuch bereits geschlossen; Supermarkt und Artas RistoPizza konnten wir nutzen. Die Öffnungszeiten einzelner Angebote können sich unterscheiden.
- Meer: Wir erinnern uns an ungefähr 27 Grad Wassertemperatur – unsere Erinnerung an diesen Aufenthalt, keine allgemeine Temperaturangabe für September.
- Wohnmobilalltag: Wir nutzten die Ver- und Entsorgung auf dem Platz. Besonders in Erinnerung blieb Knuts Brett als Hilfe beim Befüllen des Wasserkanisters.
Aktuelle Informationen für die eigene Planung: offizielle Website von Riva di Ugento.
Häufige Fragen zu unserem Aufenthalt
Wo liegt Riva di Ugento?
Der Campingplatz liegt im Salento im Süden Apuliens direkt am Meer, zwischen Gallipoli und Santa Maria di Leuca.
Wie lange wart ihr dort?
Wir blieben zehn Tage, Mitte bis Ende September 2026. Für uns war das Zeit zum Schwimmen, für Gespräche mit den Nachbarn und für einen ruhigen Campingalltag.
Welchen Stellplatz hattet ihr?
Wir standen mit Lilibet auf einem Extra-Stellplatz. Unsere direkten Nachbarn aus Bayern hatten die größere Maxi-Kategorie.
Hat euch die Nachsaison gefallen?
Ja. Der Platz wurde ruhiger, das Meer war nach unserer Erinnerung noch angenehm warm, und wir hatten keinen vollen Besichtigungsplan. Dass der Pool geschlossen war, störte uns bei diesem Aufenthalt nicht.

