Rom mit dem Wohnmobil – zwei Tage Ewigkeit zwischen Engelsburg und Petersplatz

Silvi und Jörg in der Engelsburg mit Blick auf Tiber und Petersdom

Unterwegs mit Lilibet · Italienreise · 4. Stopp

14.–17. September 2026 · Drei Nächte im Flaminio Village · Zwei volle Tage in Rom · Unser vierter Besuch der Ewigen Stadt.

Es gibt Städte, in die man einmal fährt, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anschaut und anschließend behauptet, man habe sie gesehen. Und dann gibt es Rom. Wir waren inzwischen zum vierten Mal hier und hatten trotzdem wieder eine ziemlich lange Liste im Kopf. Von Montag, dem 14. September, bis Donnerstag, dem 17. September 2026, stand die Lilibet im Flaminio Village im Norden der Stadt. Dienstag und Mittwoch hatten wir ganz für Rom reserviert: nicht, um im Eiltempo alles abzuhaken, sondern um die Stadt noch einmal auf unsere Weise zu erleben – mit viel Laufen, ein wenig Geschichte und genügend Spielraum für alles, was unterwegs einfach passiert.

Es sollte unser vierter Stopp der Italienreise mit Lilibet werden. Auf dem Plan standen diesmal vor allem die Engelsburg und der deutsche Friedhof im Vatikan. Dass ich auf den Mauern der Engelsburg meine Höhenangst deutlich besser in den Griff bekommen würde, war bereits eine Überraschung. Dass uns ein Schweizer Gardist später zwei Karten für die Generalaudienz geben würde, ahnten wir beim Aufbruch erst recht nicht. Und La Bamba auf dem Petersplatz? Das hätte uns vorher wohl niemand glaubhaft erzählen können.

Am Ende waren es zwei Tage, an denen sich wieder einmal zeigte: Die schönsten Reisegeschichten beginnen häufig dort, wo der eigene Plan nicht mehr ganz aufgeht.

Silvi und Jörg bei ihrer Wohnmobilreise mit Blick über die Dächer von Rom

Montag, 14. September: Unser Basislager im Flaminio Village

Am Montag erreichten wir mit der Lilibet den Campingplatz Flaminio Village an der Via Flaminia Nuova 821 in Rom. Hier blieben wir bis Donnerstag, den 17. September – drei Nächte, mit zwei vollen Tagen für unsere Streifzüge durch die Stadt. Für uns war das eine angenehme Lösung: Lilibet konnte auf dem Platz bleiben, während wir Rom ohne Parkplatzsuche und ohne Fahrerei mit dem großen Wohnmobil erkundeten.

Eingang des Flaminio Village an der Via Flaminia Nuova in Rom

Das Flaminio Village liegt im grüneren Norden Roms. Wir standen mit Lilibet auf einem teilweise schattigen Stellplatz unter Bäumen. Stromanschluss, Sanitäranlagen und Möglichkeiten für Ver- und Entsorgung waren vorhanden. Wir haben es vor allem als Ausgangspunkt für unsere Besichtigungen genutzt: Über den Bahnhof Due Ponti auf der Bahnverbindung Roma–Viterbo kamen wir ohne eigenes Fahrzeug in die Stadt. Am Abend ging es auf demselben Weg zurück – und dort wartete die Lilibet auf uns.

Lilibet auf einem schattigen Stellplatz neben dem Wegweiser im Flaminio Village

Unser Campingplatz in Rom: Flaminio Village

Aufenthalt: Montag, 14. September, bis Donnerstag, 17. September 2026 (3 Nächte).
Adresse: Via Flaminia Nuova 821, 00189 Roma, Italien.
Anreise ins Zentrum: Über Due Ponti mit der Vorstadtbahn Roma–Viterbo, anschließend zu Fuß unter anderem zur Piazza del Popolo.
Weitere Infos hier: www.villageflaminio.com · Camping-Informationen des Betreibers.

Die aktuellen Preise, Buchungsbedingungen und angebotenen Leistungen bitte direkt beim Betreiber prüfen.

Offener Elektrowagen am Eingang des Campingplatzes Flaminio Village
Bahnsteig der Linie Roma–Viterbo mit Schild Richtung Montebello und Viterbo

Unser Ziel war die Gegend um die Piazza del Popolo, wo wir die beiden Tage jeweils zu Fuß in Angriff nehmen konnten. Einmal aus dem Zug gestiegen, beginnt das Rom, das uns so gefällt. Es gibt breite Plätze und enge Gassen, gewaltige Fassaden und unscheinbare Ecken, in denen plötzlich ein Brunnen oder eine kleine Kirche auftaucht. Wir laufen gerne. Und Rom ist eine Stadt, die uns für diese Art des Reisens immer wieder belohnt.

Natürlich merkt man abends, wie viele Kilometer zusammengekommen sind. Aber ein Großteil dessen, woran wir uns später erinnern, liegt eben zwischen den bekannten Sehenswürdigkeiten. Ein Gespräch, ein anderer Blick auf ein Gebäude, das Licht über dem Tiber oder ein Café, an dem man nur zufällig vorbeikommt. Diese Stadt ist keine Kulisse, an der man von einem Programmpunkt zum nächsten gefahren werden muss.

Platz und historische Fassaden beim Spaziergang durch Rom

Dienstag, 15. September: Die Kunststudenten auf der Brücke – und ihr Motiv

Auf unserem Weg zur Engelsburg kamen wir über eine Brücke am Tiber. Dort stand eine Gruppe junger Kunststudenten, die sich ganz auf ihre Zeichenblöcke konzentrierte. Während rundherum Menschen vorbeiliefen, hatten sie sich einen Platz ausgesucht, von dem aus sie die Kuppel des Petersdoms sehen konnten. Dieses Motiv wollten sie festhalten.

Wir blieben bei den Studenten und ihrem Motiv einen Moment stehen: der Tiber, die Brücke und dahinter die Kuppel des Petersdoms. Für sie war dieser Blick eine Aufgabe auf dem Zeichenblock, für uns eine Einladung, selbst etwas länger hinzuschauen.

Kunststudenten zeichnen am Geländer einer Brücke über den Tiber
Blick über den Tiber und eine Brücke zur Kuppel des Petersdoms

Es war eine dieser kleinen Szenen, für die wir auf Reisen gerne Zeit haben. Wir machen ein Foto und ziehen vielleicht nach einer Minute weiter. Die Studenten schauen länger hin, überlegen, wo welche Linie beginnt, wie die Perspektive verläuft und was das Licht mit der Stadt macht. Für einen Moment haben wir ihren Blick übernommen. Und so wurde aus einer weltbekannten Aussicht ein ganz persönlicher Teil unseres Tages.

Die Engelsburg – ein Gebäude mit mehr als einem Leben

Dann stand sie vor uns: die Engelsburg, das Castel Sant’Angelo. Schon von außen ist dieses Bauwerk beeindruckend. Der mächtige runde Körper, die dicken Mauern und die Engelsfigur auf der Spitze wirken weniger wie ein Palast als wie eine Festung, die entschlossen ist, noch ein paar Jahrhunderte länger zu überstehen.

Runder Festungsbau der Engelsburg mit der Engelsfigur auf dem Dach

Ursprünglich entstand der Bau im zweiten Jahrhundert als Mausoleum für Kaiser Hadrian und seine Familie. Die heute so bekannte Engelsbrücke wurde als Verbindung zu diesem Grabmal errichtet. Später wurde daraus eine Verteidigungsanlage; im Mittelalter und in der Renaissance nutzten die Päpste die Burg als befestigten Zufluchtsort und als Residenz. Gleichzeitig gab es hier Gefängnisse. Heute beherbergt sie ein Museum. Mausoleum, Festung, Papstpalast, Kerker und Museum: Man muss sich diese vielen Rollen erst einmal vor Augen führen.

Der Name Engelsburg geht auf eine Legende zurück. Papst Gregor der Große soll im Jahr 590 während einer Pestepidemie den Erzengel Michael gesehen haben, der sein Schwert in die Scheide steckte – ein Zeichen für das Ende der Seuche. An diese Überlieferung erinnert die Engelsfigur hoch oben auf dem Gebäude. Man muss solche Geschichten nicht wörtlich nehmen, um zu begreifen, wie sehr sie zum Selbstverständnis und zur Geschichte Roms gehören.

Durch die alten Gänge und Gewölbe

Innen ändert sich die Atmosphäre sofort. Die Helligkeit und der Trubel draußen bleiben zurück, stattdessen führen massive Mauern, Gewölbe, Rampen und Treppen tiefer in die Geschichte des Bauwerks. Die Dimensionen sieht man auf Fotos nur teilweise. Wenn man selbst durch diese Gänge läuft, bekommt man eine Vorstellung davon, wie gewaltig das einstige Mausoleum schon in der Antike gewesen sein muss.

Besucher im gewölbten Gang der Engelsburg

Immer wieder wechseln die Eindrücke. Manche Bereiche sind nüchtern und wehrhaft, andere wirken fast verwinkelt. In einem Innenhof war eine Bühne für eine Veranstaltung aufgebaut. Ein ziemlich eigenartiger, aber auch schöner Gegensatz: historische Mauern, die unzählige Umbrüche überstanden haben, und davor moderne Bühnentechnik. Rom stellt seine Vergangenheit nicht einfach hinter Glas. Es lebt mit ihr weiter.

Innenhof der Engelsburg mit einer aufgebauten Veranstaltungsbühne

Und plötzlich steht man in einem prachtvollen Papstgemach

Nach den schweren Mauern und langen Gängen überraschten uns die päpstlichen Räume umso mehr. Fresken, goldene Verzierungen, reich gestaltete Decken und eine Fülle an Details, bei denen man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Die Engelsburg war eben nicht nur ein sicherer Zufluchtsort, sondern zeitweise auch ein Ort der Repräsentation. Wer hier wohnte, wollte offensichtlich nicht auf Kunst und Pracht verzichten.

Reich verzierte Decke und Wandmalereien in den päpstlichen Räumen der Engelsburg

Wir blieben auch vor einigen Ausstellungsstücken länger stehen. Unter anderem gab es ein historisches Gemälde der Engelsburg und der davorliegenden Brücke. Besonders reizvoll ist daran, das Bild mit der Aussicht zu vergleichen, die man wenige Minuten zuvor noch selbst gesehen hat: Dasselbe Bauwerk, dieselbe grundlegende Lage, aber eine andere Zeit, eine andere Welt.

Historisches Gemälde der Engelsburg und ihrer Brücke in der Museumssammlung

Zwischen den großen Räumen lohnte es sich, auch bei kleineren Ausstellungsstücken stehen zu bleiben. Bei unserem Rundgang war es eine beleuchtete Skulptur, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. So blieb neben der großen Geschichte der Burg auch Zeit für Entdeckungen im Kleinen.

Beleuchteter skulptierter Kopf in der Sammlung der Engelsburg

Weitere Infos hier: Engelsburg – Geschichte und Besuch.

Meine Höhenangst – und warum ich mich oben selbst ein wenig überraschte

Jetzt kommt der Teil, der für mich persönlich mindestens so spannend war wie die Geschichte der Burg. Ich habe Höhenangst. Und damit meine ich nicht nur das mulmige Gefühl auf einer hohen Aussichtsplattform. Bei mir können bereits zwei Meter reichen, damit ich mich am liebsten wieder auf festen Boden zurückziehen möchte.

Die Engelsburg mit ihren Treppen und oberen Ebenen war deshalb durchaus eine Herausforderung. Zunächst ging es ganz normal durch die Innenräume, dann Stück für Stück weiter nach oben. Ich wartete eigentlich darauf, dass meine übliche Unsicherheit mit jedem Abschnitt stärker wird. Doch ausgerechnet hier passierte etwas anderes. Vielleicht halfen die massiven Mauern, vielleicht die Ablenkung durch die vielen Kunstschätze. Jedenfalls wurde die Angst nicht größer, sondern allmählich kleiner.

Treppe durch einen schmalen gewölbten Gang der Engelsburg

Als wir schließlich die oberen Bereiche erreichten, konnte ich die Aussicht tatsächlich genießen. Nicht, weil die Höhenangst plötzlich für immer verschwunden gewesen wäre. Aber sie hatte an diesem Tag erheblich weniger Einfluss auf mich. Das fühlte sich erstaunlich gut an. Manchmal braucht es gar kein großes Abenteuer, um eine kleine persönliche Grenze zu verschieben. Eine alte Treppe in Rom kann offenbar völlig ausreichen.

Silvi und Jörg in der Engelsburg mit Blick auf Tiber und Petersdom
Besucherin an einem geöffneten Fenster der Engelsburg mit Blick über Rom

Zwischen den Fenstern und Maueröffnungen ergaben sich wunderbare Blicke auf die Stadt. Mal tauchte die Kuppel des Petersdoms wie ein gerahmtes Bild auf, mal lagen ganze Häuserzeilen vor uns. Durch eine größere Maueröffnung sahen wir außerdem den befestigten Verbindungsgang zwischen Vatikan und Engelsburg, den Passetto di Borgo. Er wurde über die Jahrhunderte ausgebaut und ist vor allem durch die Flucht Papst Clemens’ VII. während der Plünderung Roms im Jahr 1527 bekannt.

Blick durch ein Fenster der Engelsburg zur Peterskuppel
Petersdom und Passetto di Borgo durch eine Maueröffnung der Engelsburg

Dieser Blick gehört für mich zu den stärksten Erinnerungen an die Engelsburg. Petersdom und historischer Verbindungsgang lagen vor uns, und plötzlich bekam die Geschichte von der Flucht des Papstes einen ganz konkreten Ort. Man schaut auf einen Weg, der einmal über Sicherheit und Überleben entscheiden konnte.

Weitere Infos hier: Passetto di Borgo – Geschichte des Verbindungsgangs.

Der Weg zum deutschen Friedhof führt über die Schweizergarde – und bringt eine Überraschung

Nach der Engelsburg wollten wir den Campo Santo Teutonico besuchen, den deutschen Friedhof, der von den Vatikanmauern umschlossen ist. Was man wissen muss: Man kann nicht einfach in den Vatikan hineinspazieren und zum Friedhof laufen. Der Zugang führt über einen kontrollierten Eingang zum vatikanischen Staatsgebiet. Wir gingen links am Petersplatz in Richtung Piazza del Sant’Uffizio, passierten die Sicherheitskontrolle und wandten uns ausdrücklich an den dortigen Schweizer Gardisten.

Wir sprachen ihn auf Deutsch an und erklärten, dass wir um Einlass zum deutschen Friedhof bitten möchten. Ohne die Freigabe am Wachposten geht es hier nicht weiter. Leider waren wir bei unserem ersten Versuch zu spät: Der Friedhof war bereits geschlossen. Doch ausgerechnet an diesem Wachposten kamen wir mit dem Gardisten ins Gespräch. Wir erzählten von unserem Vorhaben, unterhielten uns eine Weile – und bekamen plötzlich zwei kostenlose Karten für die Generalaudienz am nächsten Morgen. Danach hatten wir überhaupt nicht gefragt.

Wir schauten uns an und beschlossen natürlich, hinzugehen. Dass dafür am nächsten Morgen der Wecker ausgesprochen früh klingeln musste, störte uns in diesem Moment kein bisschen. Zum Friedhof kamen wir auch beim zweiten Versuch nicht: Es war Mittwoch und Generalaudienz, während der der Einlass nicht regulär möglich ist. Wir standen also zweimal vor einer verschlossenen Möglichkeit – und hatten dafür ein Erlebnis geschenkt bekommen, das wir nicht auf unserem Reiseplan hatten.

Unser Praxistipp für den Campo Santo Teutonico

Der Zugang führt vom Petersplatz links hinter den Kolonnaden über die Piazza del Sant’Uffizio zur Sicherheitskontrolle und anschließend zum Posten der Schweizergarde. Wir haben den Gardisten auf Deutsch angesprochen und ausdrücklich um Einlass zum deutschen Friedhof gebeten. Weitergehen darf man erst nach der Freigabe durch die zuständigen Sicherheitskräfte.

Laut offizieller Besucherinformation sind Friedhof und Kirche Montag bis Samstag von 8 bis 13 Uhr zugänglich, ausgenommen mittwochs während der Papstaudienz. Sonntags wird der Zugang ausschließlich zur Teilnahme an der Messe gewährt. Veranstaltungen können den Einlass zusätzlich einschränken. Plant Zeit für die Kontrolle ein und achtet auf schulter- und kniebedeckende Kleidung.

Weitere Infos hier: Campo Santo Teutonico – aktuelle Besucherinformationen.

Mittwoch, 16. September: Um sechs Uhr aufstehen und ab zum Petersplatz

Am Mittwoch, dem 16. September, war die Nacht früh vorbei. Sechs Uhr morgens ist bei uns im Wohnmobil normalerweise keine Zeit, zu der hektische Betriebsamkeit ausbricht. Aber diesmal half alles nichts. Fertigmachen, zum Zug, hinein in die Stadt und weiter zum Vatikan. Je näher wir dem Petersplatz kamen, desto deutlicher wurde, dass wir heute nicht die einzigen Frühaufsteher waren.

Petersplatz mit Absperrungen und Sitzreihen vor der Generalaudienz

Überall Menschen. Reisegruppen, Familien, Pilger, junge und ältere Besucher, Fahnen aus den unterschiedlichsten Ländern. Nach unserer Schätzung waren ungefähr 25.000 Menschen auf dem Platz. Trotz dieser Menge fühlte sich die Stimmung nicht bedrückend an. Im Gegenteil: Die Menschen waren gespannt, fröhlich und aufgeregt. Viele wollten diesen Vormittag vermutlich schon lange erleben. Wir waren eher unverhofft hineingeraten – und freuten uns inzwischen genauso darauf.

Besucher der Generalaudienz auf dem Petersplatz

Der Platz selbst trägt natürlich seinen Teil dazu bei. Die gewaltigen Kolonnaden, die Heiligenfiguren, die Fassade des Petersdoms und darüber diese berühmte Kuppel: Das ist auch beim vierten Rom-Besuch ein Anblick, bei dem man immer noch stehen bleibt. Auf den großen Bildschirmen konnten die weiter entfernt stehenden Besucher das Geschehen verfolgen. Fahnen wurden geschwenkt, überall wurde geredet und gelacht.

Fahnen und Besucher vor den Kolonnaden auf dem Petersplatz

La Bamba im Vatikan? Tatsächlich!

Und dann gab es einen Augenblick, bei dem wir uns erst einmal ungläubig anschauten. Über die Lautsprecher wurde La Bamba gespielt. Ja, ausgerechnet hier, auf dem Petersplatz! Wir hatten vieles erwartet, aber mit dieser Musik nun wirklich nicht gerechnet. Es passte allerdings wunderbar zu der fröhlichen Stimmung. Menschen klatschten, grinsten und genossen die Wartezeit. Der Vatikan hatte uns damit innerhalb weniger Minuten eine neue Urlaubsgeschichte geschenkt.

Wir mussten jedenfalls lachen. Gerade weil unsere Reise nicht als Pilgerreise geplant war, sondern wir nach dem geschlossenen Friedhof ganz unverhofft zu dieser Audienz gekommen waren, hatte diese kleine musikalische Überraschung ihren besonderen Reiz.

Der Papst fährt mitten durch die Menschen

Irgendwann wurde die Unruhe auf dem Platz größer. Alle richteten ihre Aufmerksamkeit in dieselbe Richtung, viele Menschen standen auf, winkten und hielten ihre Handys hoch, um Fotos zu machen. Dann fuhr der Papst im Papamobil durch die Besucherreihen – und tatsächlich ganz nah an unserem Platz vorbei.

Papst im Papamobil zwischen den Besuchern auf dem Petersplatz

Die Reaktionen waren beeindruckend. Menschen jubelten, andere waren sichtbar gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Wir konnten diese Begeisterung aus nächster Nähe miterleben und merkten, dass auch uns der Moment bewegte. Nicht wegen irgendeines besonders gut vorbereiteten Besichtigungsprogramms. Sondern weil wir plötzlich mitten in einem Ereignis standen, das für die Menschen um uns herum eine große Bedeutung hatte.

Papst im Papamobil vor der Fassade des Petersdoms

Natürlich haben auch wir fotografiert. Aber die Bilder fangen nur einen Teil davon ein: den Lärm, die Erwartung, die Freude und dieses Gefühl, mit sehr vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern für kurze Zeit etwas gemeinsam zu erleben. Rückblickend denken wir dabei immer wieder an den Schweizer Gardisten vom Vortag. Ohne ihn wären wir vermutlich nie auf die Idee gekommen, den zweiten Rom-Tag genau so zu verbringen.

Weitere Infos hier: Vatikan – kostenlose Audienzkarten und Reservierung.

Nach der Audienz: Noch einmal zum Pantheon

Damit war unser Tag noch lange nicht vorbei. Wir hatten schließlich zwei vollständige Tage in Rom und wollten die Zeit nutzen. Nach dem Vatikan ging es weiter zum Pantheon. Das große antike Gebäude steht heute selbstverständlich nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion da. Es wurde im siebten Jahrhundert zur christlichen Kirche und blieb dadurch bemerkenswert gut erhalten. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen unter Kaiser Hadrian – dem gleichen Kaiser, dessen Mausoleum wir am Vortag besucht hatten.

Säulenvorhalle des Pantheons und Obelisk auf der Piazza della Rotonda

Die gewaltige Kuppel mit ihrer runden Öffnung, dem Oculus, ist eine jener Leistungen antiker Baukunst, über die man auch beim wiederholten Besuch staunt. Schon vor dem Eingang mit seinen mächtigen Säulen fällt es schwer, die Dimensionen zu begreifen. Im Inneren spannt sich die Kuppel über rund 43 Meter – fast zweitausend Jahre alt, und noch immer ein Bauwerk, das Fragen und Staunen auslöst.

Aber irgendwann meldeten sich die Füße. Und wir hatten immer noch einen Wunsch: etwas Grün, ein wenig schlendern und noch einen letzten großen Blick über Rom.

Weitere Infos hier: Pantheon – Geschichte und Besuch.

Villa Borghese und Pincio – Rom bis zum Horizont

Also gingen wir weiter zur Villa Borghese und in Richtung Pincio. Nach dem lebhaften Vormittag auf dem Petersplatz war das ein schöner Kontrast. Bäume, Wege, mehr Luft und schließlich diese herrlichen Ausblicke über die Dächer der Stadt. Hier konnten wir durchatmen und die Eindrücke des Tages ein wenig sortieren.

Panorama von Rom mit Kuppeln und Bäumen vom Pincio

Hier oben fällt noch einmal auf, wie viele Gesichter Rom hat. Gestern standen wir in den alten Gewölben der Engelsburg. Heute früh waren wir Teil einer riesigen Menschenmenge. Jetzt sahen wir die Stadt aus etwas Abstand – mit ihren Dachlandschaften und dem weiten Himmel darüber. Und es war schön, einfach stehen zu bleiben, ohne schon wieder auf die Uhr zu schauen.

Blick vom Pincio über Bäume und die Dächer von Rom
Weite Aussicht vom Pincio auf die Skyline von Rom

Hier oben hielten wir auch einen gemeinsamen Moment fest. Wir waren müde, aber glücklich. Nicht alles hatte funktioniert: Der deutsche Friedhof blieb uns zweimal verschlossen. Aber daraus war eine Geschichte entstanden, die wir bestimmt noch oft erzählen werden.

Zurück nach Due Ponti – und zur wartenden Lilibet

Schließlich ging es mit dem Vorstadtzug zurück nach Due Ponti und weiter zum Campingplatz. Wir waren beide ziemlich erledigt. Rom zu Fuß ist wunderschön, aber zwei volle Tage mit ausgedehnten Wegen, der Engelsburg und einem frühen Start zur Audienz hinterlassen ihre Spuren. Umso schöner war die Vorstellung, dass unsere Lilibet wieder auf uns wartete.

Lilibet mit ausgefahrener Markise und Sitzplatz unter Bäumen im Flaminio Village

Genau diese Mischung mögen wir beim Wohnmobilreisen: Tagsüber mitten hinein in eine große Stadt, ihre Geschichte und ihr Leben. Abends wieder zurück in die eigenen vier Wände, in denen man alles kennt und wo man die Füße hochlegen kann. Der Bahnhof und der Zug sind dabei kein lästiges Beiwerk, sondern Teil der Freiheit, die uns das Wohnmobil gibt.

Am Donnerstag, dem 17. September, hieß es dann Abschied nehmen: Nach drei Nächten im Flaminio Village fuhren wir mit unserer Lilibet weiter. Die beiden Tage in Rom fühlten sich dabei nach deutlich mehr an – so viele Bilder, Gespräche und unerwartete Momente passten hinein.

Unsere praktischen Tipps für Rom mit dem Wohnmobil

  • Campingplatz mit Bahnanschluss: Unsere Basis war das Flaminio Village an der Via Flaminia Nuova 821. Wir blieben vom 14. bis 17. September 2026 und nutzten für Rom die Verbindung ab Due Ponti auf der Roma–Viterbo-Linie. Verbindungen und Tickets bitte aktuell prüfen.
  • Zu Fuß statt alles im Eiltempo: Das historische Zentrum lässt sich gut erlaufen. Bequeme Schuhe, Wasser und etwas Luft im Tagesplan sind wichtiger als eine riesige Liste von Sehenswürdigkeiten.
  • Engelsburg: Genug Zeit nicht nur für die Aussicht, sondern auch für die Gewölbe, päpstlichen Gemächer und Ausstellungsstücke einplanen.
  • Deutscher Friedhof: Zugangsweg und Besuchszeiten vorher prüfen. Der Einlass erfolgt über Sicherheitskontrolle und Schweizergarde; während der Mittwochsaudienz ist ein Besuch normalerweise nicht möglich.
  • Generalaudienz: Karten sind kostenlos. Termine, Veranstaltungsort und die Reservierungsmodalitäten direkt beim Vatikan kontrollieren.
  • Pincio: Wer nach einem langen Stadttag noch ein schönes Panorama sucht, findet hier einen wunderbaren Abschluss.

Unser Fazit: Zwei Tage Ewigkeit, obwohl wir schon viermal hier waren

Was nehmen wir von diesem vierten Rom-Besuch mit? Die Kunststudenten mit ihrem Petersdom-Motiv. Die Mauern der Engelsburg und die Kunstschätze hinter ihnen. Meine Höhenangst, die ausgerechnet hoch über Rom erheblich nachließ. Einen Schweizer Gardisten, mit dem wir ins Gespräch kamen. Ein versuchter Friedhofsbesuch, bei dem wir am Wachposten der Schweizergarde eine unerwartete Begegnung hatten. Tausende Menschen, La Bamba auf dem Petersplatz und die Begeisterung, als der Papst durch die Menge fuhr.

Das Pantheon, die Villa Borghese, der letzte Blick über die Stadt und schließlich der Zug zurück zur Lilibet: All das gehört zu diesen beiden Tagen. Rom hat uns noch lange nicht alles gezeigt. Der deutsche Friedhof steht weiterhin auf unserer Liste. Vielleicht wird daraus beim fünften Besuch ja wieder eine ganz neue Geschichte.

Zum vierten Mal in Rom. Aber so wie diesmal war es noch nie.

Zwei Tage Ewigkeit – auch als Song

Zu unseren beiden Tagen in Rom ist der Song „Zwei Tage Ewigkeit“ entstanden. Er nimmt die Erinnerungen an die Engelsburg, die unerwartete Begegnung am Vatikan und die kleinen Zufälle auf, die diese Reise für uns besonders gemacht haben. Hier könnt ihr ihn direkt anhören und noch ein Stück mit uns durch Rom gehen.

Häufige Fragen zu unseren zwei Tagen in Rom

Auf welchem Campingplatz standen wir in Rom, und wie lange?

Wir waren von Montag, dem 14. September, bis Donnerstag, dem 17. September 2026, für drei Nächte im Flaminio Village an der Via Flaminia Nuova 821 in Rom. Dienstag und Mittwoch waren unsere zwei vollen Stadtbesichtigungstage.

Kann man Rom mit einem großen Wohnmobil gut besuchen?

Ja – für uns gerade dann, wenn das Wohnmobil nicht selbst ins historische Zentrum muss. Wir ließen Lilibet im Flaminio Village stehen und nutzten die Bahnanbindung über Due Ponti.

Ist die Engelsburg auch bei Höhenangst einen Besuch wert?

Für mich war sie es. Schon die historischen Innenräume sind sehenswert, und man kann selbst entscheiden, welche höheren Bereiche man besuchen möchte. Bei mir wurde das Unsicherheitsgefühl während des Rundgangs überraschend geringer.

Warum war der deutsche Friedhof geschlossen?

Beim ersten Versuch kamen wir nach der Besuchszeit. Beim zweiten war Mittwoch und Generalaudienz. Der Einlass erfolgt über die Sicherheitskontrolle und den Posten der Schweizergarde; aktuelle Besuchszeiten und Einschränkungen stehen in den oben verlinkten offiziellen Besucherinformationen.

Kostet die päpstliche Generalaudienz Eintritt?

Nein. Die Karten sind offiziell kostenlos. Wir hatten das besondere Glück, sie durch die Begegnung mit dem Schweizer Gardisten zu bekommen. Für eine geplante Reise ist die offizielle Reservierung der zuverlässige Weg.

Unterwegs mit Lilibet · Italienreise · 4. Stopp: Rom

Weitere Infos hier: Museo Nazionale di Castel Sant’Angelo · Campo Santo Teutonico – Besucherinformationen · Vatikan – Generalaudienzen und Karten · Pantheon – offizielle Museumsseite · Flaminio Village – offizieller Campingplatz

Mehr von unserer Italienreise findet ihr in den Berichten aus Mantua, Siena und Matera. Weitere eigene Songs stehen auf Lembus Music.

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